Letzen Donnerstag Abend wagte ich also nach der Arbeit die Fahrt ins japanische Elektronik El Dorado. Reizüberflutung, wohin das Auge reicht, so mein erster Eindruck. Und natürlich wieder Menschenmengen, wo man auch hinschaut...Liegt eventuell daran, dass im Ballungsraum Tokyo beschauliche 35 Millionen Menschen wohnen. Aber ich will ja nicht abschweifen....
Wir waren bei Reklametafeln, Japanern und elektronischen Artikeln, die das Blickfeld völlig für sich beanspruchen. Scheinbar bin ich mitten in Akihabara gelandet. Da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine Kamera erworben habe, hier ein kleiner Schnappschuss, frisch "gegooglet".
Angekommen um ca. 20.00 verschaffte ich mir einen Überblick. Für mehr reichte es leider nicht, da die meisten Geschäfte hier um 21.00 schließen, was für österreichische Maßstäbe recht lang klingen mag.
Freitag in der Arbeit wurde mir verkündet, dass ich und ein paar andere Auserwählte vom Chef zum Essen eingeladen seien. Treffpunkt 19.00 Tokyo Midtown. Ich wusste nicht, was mich genau erwartete, jedoch hatte ich so eine Vorahnung. Der Restaurantselektion meines Chefs ist erfahrungsgemäß nur das gehobene Preissegment vorbehalten.
Im wunderschönen Open Air Ambiente auf der Terasse über/im Park, hinter dem sich die Skyline von Tokyo verborgen hat wurde also diniert. Aufgetischt wurde ein 10 Gänge Menü, deren kosten sich pro Person deutlich im dreistelligen Bereich wiederfanden gespickt voller Spezialitäten. Mein Higlight war definitv das Kobe Beef. Andere Gänge dienten eher der Horizonterweiterung. Speziell als Neo-Fischesser ist mein kulinarischer Horizont gerade hier in Japan doch sehr überschaubar. Tintenfisch, Oktopus und andere für mich nicht eindeutig identifizierbare Spezialitäten waren eigentlich recht delikat. Eine weitere Horizonterweiterung und gleichzeitig mein negatives Highlight des Dinners war definitiv in Kobe Beef eingewickelter Seeigel. Aber man möchte ja keine Erfahrungen missen.....
Das kollektive Sättigungsgefühl stellte sich nach dem 8. Gang ein. Nr. 9 und 10 waren dann noch Desserts und Kaffee. Nach Beendigung des Schlemmeraktes war in den Gesichtern der Runde nicht viel zu sehen außer eines, dass aber in allen Gesichter gleichermaßen stark vertreten war....Völle!
Nach reichlichen Bedanken für die nette Einladung wurde der Akt der Nahrungsnahme mit beginnendem Regen offiziell beendet. Ich machte mich nun auf den Weg zurück in die Heimat. "Roppongi, meine Perle" ist doch eine treffende Bezeichnung, leicht angelehnt an Hamburg. Nach 5 Minuten Fußmarsch angekommen in der Sportsbar meines Vertrauens ließ mich dieses intensive Völlegefühl nicht los. Als ich mein Bier dann endlich ausgetrunken habe begab ich mich in mein Appartment, welches unmittelbar daneben war. Dort wurde erst mal geskypt, währenddessen das Völlegefühl nachgelassen hat. Quasi die Ruhe vor dem Sturm....
Zu Beginn des 1. EM Match um 1.00 Ortszeit war ich wieder vertreten in der Sportsbar....neben mir ein Haufen euphorischer im Gesicht angeschmierter Polen, was den allgemeinen Lautstärkepegel doch sehr nach oben drückte. Aber gehört ja zum Fußball dazu. Zum Teil konnte ich mich ja mit ihnen idendifizieren. Wir Europäer sollten hier ja auch zusammenhalten. Ganz abgesehen davon, dass sie im Gesicht rot-weiß angeschmiert haben....Vielleicht hätte ich das 10 Bier später sogar als rot-weiß-rot gedeutet und hätte sie gefragt, woher aus Österreich sie seihen....
Ich habe fühlte mich dann doch eher bei der Bar geborgen, wo ich zuerst einem Deutschen erklärte, wie populär St. Pauli in Österreich sei und wie cool ich die Astra Printkampagnen finde. "Was ist Astra?" fragte er mich und ich erklärte ihm, es ist Bier aus St. Pauli. Durch seine nichtswissende Art über Hamburger Bier hat er deutlich an Sympathiewerten eingebußt, der alte Sack! Aber er war zumindest freundlich.
Danach sprach mich ein schwedischer Programmierer an, der auch neu in der Stadt bzw. dem Land und dem Kontinent ist. Quasi ähnliche Ausgangsposition. Er hieß Andreas, was ich cool fand, weil ich mir das auch besoffen merken konnte. Nachdem wir uns Polen - Griechenland fertig angeschaut hatten beschlossen wir auch kurzerhand die 2. Begegnung des Abends anzuschauen. Die Polen in der Bar wurden durch weit verrücktere Russen ausgetauscht und das ganze ging von vorne los....Die Biere flossen, die Menschen jubelten. Irgendwann kam ein dritter Typ in die Runde. Er stellte sich mit "Hey, I am Brian, the bad motherfucker!" vor, was auf lustige Unterhaltungen schließen lässt, vor. Nun waren wir also zu dritt. Der ruhige Skandinavier, der bad motherfucker und ich. Kurzzeitig hatte ich bedenken, dass der kalte Krieg entflammen würde, weil Brian verbal immer wieder richtig den Russen schoss. Aber naja....ich fands lustig. Der Typ zahlte nebenbei eine Runde Jägermeister nach der anderen und so stieg auch der Rauschpegel stetig an, was ja an und für sich eine schöne Entwicklung war. Um das Quartett zu vervollständigen kam noch ein Typ in die Runde. Er war Mitte 40, leicht gräuliche kurze Haare, weißes Hurley Shirt und weite Jeans. Das war John aus Boston, US-Navy und nun auch Teil unserer Runde. Auf Brians Frage, was er hier macht hatte er nur ein "I'm here to getting drunk! What else?" über, was mich in dieser Situation köstlich amüsierte.
Gut besoffen beschlossen wir um 6 Uhr morgens endlich in ein Tanzlokal zu gehen. Am Weg durch die Straßen Roppongi's ging der "bad motherfucker Brian"(übrigens auch Mitte 40) verloren und wir waren nur noch ein Trio. Eine Runde später ist der Schwede augfrund körperlicher Schwächen auf dem Tisch eingeschlafen. Aber in der Bar war meine neue Hamburger Bekanntschaft vom letzten Wochenende. Lennard, der am Freitag übrigens Geburtstag hatte, war also auch da. Naja, nicht die bahnbrechenden News hinsichtlich dessen, dass der dort arbeitet...In dieser Situation war ich trotzdem froh ihn zu sehen. Also, der Navy, Lennard, ich und kurzerhand später auch eine Russin waren die neue Party Crowd. Feuchtfröhlich wurde weiter gesoffen bis die Bar schätzungsweise um 8 zusperrte. Lennard machte dann auch die Biege und wir waren erneut ein Trio. Die Russin wusste offensichtlich bestens bescheid, wo man zur späten bzw. frühen Stunde, je wie man will noch einen trinken gehen konnte. Über die Gesprächsthemen zu dieser Zeit kann ich im Nachhinein nicht mehr soviel sagen...aber so weit ich mich erinnern kann sprach ich mit beiden über politische Dinge, was ja grundsätzlich interessant ist, wenn man mit einem US-Soldaten bzw. einer Russin spricht und die Gesprächsthemen mitunter Krieg und Korruption behandeln.
Um 10 Uhr morgens war es so weit! Ich bestellte mir an der Bar stilles Wasser. Ein Zeichen von Schwäche meinerseits und überdies auch kein Schnäppchen für 6€. Jedoch ein klares Signal die Heimreise anzutreten, was ich dann auch gemacht habe.
Der Samstag konnte mit den Ereignissen vom Freitag nicht ganz mithalten, weil ich in Summe nur eine halbe Stunde auf war. Der Körper braucht nun mal seinen Schönheitschlaf.
Die halbe Stunde war ich übrigens deshalb auf, weil mich mein Arbeitskollege um 17.00 aufweckte zwecks dem Fußballspiel am Sonntag. Ich begrüßte ihm am Telefon sehr freundlich mit "Guten Morgen", was ihm Grund zur Frage gab, was ich Freitag Abend bzw. Nacht so gemacht habe. Danach ging's wieder ins Land der Träume.
Also Leute, das war jetzt so ein Teil meiner Geschichte bis vergangenen Samstag!
Stand 9.6.2012